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EUROPA: 31 Mrd. EUR Gesundheitskosten jährlich für Europa durch hormonell wirksame Chemikalien

Nachrichten,Newsletters June 24, 2014 10:00 am

Laut einem neuen Bericht der Health and Environment Alliance (HEAL), könnten in der EU bis zu 31 Mrd. EUR an Gesundheitsausgaben vermieden werden, wenn die Belastung durch hormonell wirksame Chemikalien reduziert würde. Diese Chemikalien, denen wir alle täglich ausgesetzt sind, kommen in Lebensmitteln, Plastik, Kosmetik- und Elektronikprodukten vor.  In Deutschland könnten rund 5 Mrd. EUR eingespart werden.

Im Auftrag von HEAL haben der Umweltökonom Dr. Alistair Hunt, Universität Bath, Großbritannien, und Dr. Julia Ferguson, Visiting Fellow Cranfield School of Management, Großbritannien, die Gesamtkosten ausgerechnet, die mit hormonell bedingten Krankheiten und Gesundheitsproblemen in Verbindung stehen. Laut ihrer Schätzung belaufen sich die Gesamtkosten auf  636 – 637 Mrd. Euro pro Jahr in der EU. Diese Berechnung ist aber wahrscheinlich aus vielerlei Gründen zu niedrig; vor allem aufgrund der Tatsache, dass viele EU-Gesundheitskosten für die einzelnen Krankheiten bisher nicht verfügbar sind.

In Europa nehmen viele der endokrinenbezogenen Krankheiten und Probleme wie Brustkrebs, Fettleibigkeit oder Unfruchtbarkeit rasant zu. In den meisten EU-Mitgliedstaaten wird ein starker Anstieg von Prostata- und Brustkrebs verzeichnet. Aufmerksamkeitsstörungen bei Kindern haben ebenfalls beträchtlich zugenommen. Aktuelle wissenschaftliche Studien weisen auf eine mögliche Verbindung zwischen endokrinen Disruptoren und hormonbedingten Krankheiten hin.

Mit der Berlaymont Erklärung 2013 haben 89 der weltweit führenden wissenschaftlichen Experten für hormonell wirksame Chemikalien den stärksten Aufruf für Regulierungsmaßnahmen bezüglich endokrin wirksamer Substanzen veröffentlicht. Sie fordern von der EU-Kommission  die dringende “Umsetzung der Regulierungsmaßnahmen, die im Einklang mit den besten verfügbaren wissenschaftlichen Erkenntnissen stehen“. Die EU-Kommission hätte bis Dezember 2013 die notwendigen Kriterien zur Identifikation von hormonell wirksamen Substanzen vorstellen sollen, damit die vorgesehenen Verbote für diese Substanzen im EU-Pestizid- und Biozidgesetz greifen können. Stattdessen wird nun erst eine Folgenabschätzung dazu erstellt, deren Details am 18. Juni 2014 in einer sogenannten veröffentlicht wurden.

HEAL hat den technischen Bericht zu den Gesundheitskosten von hormonell bedingten Krankheiten in Auftrag gegeben als einen ersten Schritt zur Erfassung der Kosten, die mit endokrinen Disruptoren in Verbindung stehen.

Die Kostenkalkulation basiert auf einer Liste der folgenden Krankheiten und Gesundheitsprobleme, die Wissenschaftler und Experten als „endokrin bezogen“ identifiziert haben. Diese sind:

  • Fortpflanzungsstörugen und Unfruchtbarkeit (Infertilität), beispielsweise niedrige Spermienzahl
  • Fehlbildungen des Penises und der Hoden bei Neugeborenen
  • Brust-, Prostata und Hodenkrebs
  • Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern, wie beispielsweise Austismus oder Aufmerksamkeitstörungen (ADSH)
  • Fettleibigkeit (Obesität) und Diabetes

Nur ein Teil der Kosten von hormonell bedingten Gesundheitsproblemen kann der Belastung durch endokrine Disruptoren zugeschrieben werden. Genetische Veranlagung und Lebensstil, u.a. Ernährung, Rauchen oder Bewegungsmangel, sind ein weiterer wichtiger Faktor.

Am 4. Juli wird HEAL die Zahlen für Deutschland in einem Webinar vorstellen. Prof. Dr. Andreas Kortenkamp, einer der führenden Wissenschaftler auf dem Gebiet der endokrinen Disruptoren wird das Webinar mit einem Vortrag zum Stand der wissenschaftlichen Forschung zu EDCs eröffnen. Dr. Kortenkamp ist Professor am Institut für Umwelt der Universität Brunel in Großbritannien.

Mehr Informationen:

HEALs Pressemitteilung zum Bericht

Mehr Information zum HEAL Webinar Chronische Krankheiten, Gesundheitsprobleme und Chemikalien: Was ist der Zusammenhang?

HEALs Technischer Bericht (auf Englisch)

Berlaymont Erklärung